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Die Geschichte der Ortsteile


Abbildung: Ortsteil Koetzschenbroda mit Friedenskirche in Radebeul bei Dresden Abbildung: Dorfkern Alt-Naundorf in Radebeul bei Dresden Abbildung: Dorfkern Alt-Zitzschewig in Radebeul bei Dresden

Ortsteil Kötzschenbroda mit Friedenskirche

Dorfkern Alt-Naundorf

Dorfkern Alt-Zitzschewig

Die Stadt Radebeul erhielt am 1. April 1924 das Stadtrecht.

Die Entwicklung der Ursprungsgemeinden begann schon viele Jahrhunderte früher. Zehn einstmals eigenständige Gemeinden umfasst das heutige Stadtgebiet. Die Gemeinde Radebeul, die der Stadt ihren Namen gab, war ein recht kleines und unscheinbares Dörfchen mit 12 Bauernhöfen (heute: Ortskern Alt-Radebeul - Am Kreis), die im Jahre 1349 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Der größte Lößnitzort war Kötzschenbroda mit 60 Bauernanwesen, der erstmals 1271 in der schriftlich belegten Überlieferung auftaucht. Am 27.8.1645 wurde hier im Vorfeld des
Westfälischen Friedens der Waffenstillstand zwischen Schweden und Sachsen
unterzeichnet. Das in jedem Jahr dort erlebbare Herbst- und Weinfest lässt erkennen, welches Flair Altkötzschenbroda ausstrahlt.

Die früheste Nachricht der Existenz einer Lößnitzortschaft stammt aus dem Jahre 1144. Naundorf wird damit früher erwähnt als Dresden. Den Ortskern kann man noch heute in seiner ganzen Ursprünglichkeit erleben. Vor allem während des aller zwei Jahre stattfindenden Dorf- und Schulfestes laden alte Weinkeller zu einer Probe Sächsischen Weines ein.

In unmittelbarer Nachbarschaft von Naundorf befindet sich Zitzschewig. Im Ersten Weltkrieg soll dieser Ortsname häufig als Parole verwendet worden sein, da er wegen der vielen Zischlaute von Engländern oder Franzosen nur mit einiger Mühe richtig ausgesprochen werden konnte.

Lindenau ist der zweitkleinste Ort des Stadtgebietes, in dem vorrangig Winzerfamilien lebten und in den angrenzenden Weinbergen ihr bescheidenes Auskommen fanden. Das Dorf war als sehr kinderreich bekannt, auf 100 Einwohner kamen 25 Kinder. Deshalb wird es niemanden verwundern, dass bei der späteren Vereinigung keiner einverstanden war, die hohen "Schullasten" zu tragen.

In unmittelbarer Nähe von Radebeul ist Serkowitz die nächste Gemeinde, direkt an der Elbe gelegen. Am 18. Oktober 1784 befuhr eine Jagdgesellschaft von Kurfürst Friedrich August die von der Elbe unterspülte alte Meißner Post- und Landstraße (heute: Kötzschenbrodaer Straße). Es wäre unweigerlich zu einem Unfall gekommen, wenn nicht zwei Bauersfrauen diese vor der Gefahr gewarnt hätten.

Etwas abseits gelegen auf der Hochebene befindet sich Wahnsdorf, das vor allem durch sein Meteorologisches Observatorium bekannt ist. Auf der Wahnsdorfer Flur gibt es noch ein interessantes Baudenkmal zu sehen, das ehemalige Bilz-Sanatorium.

Die kleinste Gemeinde entstand um 1550, völlig eingeschlossen auf Kötzschenbrodaer Flur, auf ehemaligem Vorwerksgelände des Kurfürsten und erhielt deshalb den Namen Fürstenhain. Nur für kurze Zeit bestand dieses Dörfchen mit nur 8 Häusern. Bereits im Jahre 1876 wurde es Kötzschenbroda einverleibt. Die Fürstenhainer Straße ist alles, was an diesen Ort heute noch erinnert.

Die Entstehung von zwei neuen Lößnitzgemeinden auf den Fluren der vorhandenen Dörfer ist eine weitere Besonderheit Radebeuls

Diese Entwicklung wurde im Wesentlichen mit der charakteristischen Landschaftsform der Lößnitz, den Weinbergen, geprägt. Sie grüßen den Besucher schon von Weitem, so dass man sich in südliche Gefilde zurückversetzt glaubt. Aus diesem Grunde ist Radebeul in der jüngeren Vergangenheit auch als "Sächsisches Nizza" bekannt geworden

Weitab von den eigentlichen Ortskernen, lagen die Weinbergsbesitzungen der Bauern. Im 16./17. Jahrhundert vollzog sich ein immer häufiger werdender Besitzerwechsel dieser Weinbergsfluren. Adelige, aber auch wohlhabende Bürger, vor allem aus dem angrenzenden Dresden, fanden es einfach schick, Wein selbst anzubauen und ihren Gästen zu kredenzen. Dies geschah in starkem Maße nach Beendigung des 30jährigen Krieges und begann mit dem Bau der Hoflößnitz durch den sächsischen Kurfürsten im Jahre 1650.

Abbildung: Bennohaus in der Oberloessnitz in Radebeul bei Dresden Abbildung: Bellevue in der Schlossanlage Wackerbarth in Radebeul bei Dresden Abbildung: Berg- und Lusthaus der Anlage Hofloessnitz in Radebeul bei Dresden mit Link zur Homepage der Stiftung Weingutmuseum Hofloessnitz

Bennohaus in der Oberlößnitz

Bellevue in der Schloßanlage Wackerbarth

Berg-und Lusthaus der Anlage Hoflößnitz

Weitere Herrenhäuser entstanden, die als Sommersitze den neuen Weinbergbesitzern dienten. Den Winter verbrachte man dann wieder in seinem Stadthaus. Manch einer blieb vielleicht auch während dieser Zeit in der Lößnitz, so dass sich neue Villensiedlungen entwickelten, die immer mehr zu ständigen Wohnsitzen wurden. Die Steuergelder zahlte man weiterhin am Hauptwohnort. Das führte zu immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen mit den ansässigen Bauern. Die finanziellen Lasten der Dörfer stiegen. Arme mussten versorgt werden, Nachtwächter erwarteten ihren Lohn und Schulen mussten gebaut und unterhalten werden, denn die Bevölkerung nahm rasch zu. Eine Übergangslösung stellte in Oberlößnitz im Jahre 1822 die Gründung eines "Communalverbandes der Weinbergsbesitzer" und in Niederlößnitz im Jahre 1832 der "Niederlößnitzer Weinbergsverein" dar. Mit der neuen Landgemeindeordnung von 1838 war dieser eigenartige Zustand vorbei. Die beiden Vereine wurden per 1.1.1839 faktisch gezwungen alle Rechte und Pflichten einer richtigen Gemeinde wahrzunehmen. So wurden aus 8 plötzlich 10 Lößnitzorte, wenn man Nieder- und Oberlößnitz hinzurechnet.

50 Jahre später setzten Vereinigungsbestrebungen in den Lößnitzgemeinden ein. Sehr stark anwachsende Einwohnerzahlen und andere wirtschaftliche Zwänge waren der Grund dafür. Forciert wurde diese Entwicklung zu Beginn dieses Jahrhunderts, als Dresden die Eingemeindung vieler bis dahin eigenständiger, angrenzender Orte vollzog. Diesem Schicksal entgingen die Lößnitzortschaften mit der Verschmelzung der beiden Städte Radebeul und Kötzschenbroda im Jahre 1935, nachdem sich östliche und westliche Lößnitzorte bereits vorher etappenweise vereinigt hatten. Dieser Schritt erwies sich als kluger politischer Schachzug für den weiteren Werdegang der Stadt, so dass Radebeul schließlich im Jahre 1995 zur "Großen Kreisstadt" ernannt wurde.

Das war eine kurze Einführung in die Entstehungsgeschichte der Stadt Radebeul, die so gar nicht dem klassischen Bild einer Stadt mit Kirche und Marktplatz entspricht, aber gerade in dieser Vielfalt liegt ihr ganz eigenwilliger Reiz. Noch heute legen die Einwohner Radebeuls großen Wert darauf, in welchem Stadtteil sie wohnen. Nicht zuletzt künden Feste und Feiern anlässlich von Ersterwähnungen der Stadtteile davon, dass diese heimatgeschichtlichen Traditionen nicht in Vergessenheit geraten sind und weiter gepflegt werden

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